Kurz berichtet

Mobilität im 21. Jahrhundert

By März 2020 April 1st, 2020 No Comments

Ein naturwissenschaftliches Themenfeld mit politischen, sozialen und ethischen Implikationen

Mag. Dr. Andrea Frantz-Pittner

 

In einer von Naturwissenschaften geprägten Welt ist wissenschaftliche Grundbildung eine wesentliche Voraussetzung, um an gesellschaftlichen Verhandlungsprozessen teilhaben und begründete Entscheidungen treffen zu können. Aktuelle Visionen einer naturwissenschaftlichen Grundbildung (Scientific Literacy) beschränken sich nicht nur auf Konzepte und Arbeitsweisen von Naturwissenschaften, sondern betrachten Wissenschaft in einem gesellschaftlichen Kontext und zielen auf die Förderung einer „Scientific Citizenship“. Komplexe umweltbezogene Problemstellungen („socio-scientific issues“), mit denen Kinder in ihrer Lebenswelt in Berührung kommen, bieten hier geeignete Ausgangspunkte für Unterrichtsaktivitäten.

Das im Projekt ENSITE inhaltlich und unterrichtsmethodisch behandelte Themenfeld „Mobilität“ bietet für Kinder und Jugendliche individuelle Bezugspunkte zu einem gesellschaftlich relevanten Problemfeld, das die eigenen Lebenserfahrungen mit naturwissenschaftlichen Konzepten verknüpft. Die Mobilität einer Region ist nicht nur von technischen Fragestellungen bestimmt, sondern betrifft auch ökologische, soziale, politische und ethische Aspekte. In Prozessen der Entscheidungsfindung müssen naturwissenschaftlich-technische Argumente gegen Fragen der Verteilungsgerechtigkeit („Mobilitätsarmut“), der persönlichen Werthierarchie, der Finanzierbarkeit, der Logistik etc. abgewogen werden.

Ob es um die Bodenversiegelung durch Verkehrsflächen, den Schadstoffausstoß von Antriebssystemen, die Erhebung der Fahrgastzufriedenheit im öffentlichen Verkehr, die Verkehrssicherheit oder die Lärmbelastung an Durchzugsstraßen geht – im breiten Spektrum der mobilitätsbezogenen Fragestellungen finden Lehrer*innen vielfältige Anknüpfungspunkte zu curricularen Inhalten in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern.

Durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven, der gezielten Suche nach Informationen und deren Bewertung sowie durch das gemeinschaftliche Ringen um Lösungsansätze wird darüber hinaus kritisches Denken, Kreativität, Kooperation und Kommunikationsfähigkeit gefördert – allesamt Fähigkeiten, die unsere Gesellschaft zur Bewältigung der Herausforderungen im 21. Jahrhundert dringend benötigt.