Textil trifft auf Mathematik
Foto: Reinhold Schneider Schule
Im von ICSE und der Abteilung Mode und Textil der PH Freiburg gemeinsam angebotenen Seminar und Open-Schooling-Projekt „Mathematische Phänomene und digitale Tools treffen auf textiles Gestalten“ haben Lehramtsstudierende im Wintersemester 2024/25 mit Unterstützung von digitalen Werkzeugen textile Objekte zu mathematischen Themen hergestellt und einiges davon dann mit Schüler*innen der dritten und vierten Klasse der Reinhold-Schneider-Schule ausprobiert.
Die behandelten mathematischen Themen waren sehr vielfältig. Besonders relevant für den Schulkontext war der Themenbereich Symmetrien. Die Studierenden beschäftigten sich mit der Frage, auf welche Art sich Muster z.B. auf Stoffen sich wiederholen können, und stellten selbst durch Drucken solche Muster her. Nützlich war hierbei die App iOrnament, mithilfe derer man hervorragend mit allen 17 existierenden Symmetrietypen von Flächenornamenten experimentieren kann.
Wir beschäftigten uns im Seminar auch mit nicht-ebener Geometrie in Form von gekrümmten Flächen, die man besonders gut durch Häkeln herstellen kann. Die Studierenden häkelten eine Reihe verschiedener Objekte mit Elementen, die Mathematiker*innen als hyperbolisch, Textilfreunde vielleicht als Rüschen-artig bezeichnen würden. Wir diskutierten den Zusammenhang zwischen solchen Rüschen und den „Limit Circles“ des Künstler M. C. Escher sowie in der iOrnament-App erstellten hyperbolischen Kunstwerken.
Großer Beliebtheit erfreute sich auch geometrisch komplexe, genähte Objekte wie Wendehosen, Schlauchschals oder sogar verknotete Schlauchschals. Wenn man diese Objekte zunächst auf Links näht und dann umschlägt, ändern sie auf äußerst überraschende Weise ihre Form. Wenn man dieses Phänomen verstehen will, muss man denken wie ein Topologe – ein Teilgebiet der Mathematik, das in der Schule gar nicht vorkommt, aber eine Quelle von sehr hübschen Rätseln ist.
Foto: Reinhold Schneider Schule
Foto: Reinhold Schneider Schule
Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit dem Erstellen von Bildern durch das Spannen von Fäden in einem Holzreifen. Hier gibt es einerseits die Möglichkeit, einem einfachen Algorithmus zu folgen, der z.B. auf einer Multiplikationstabelle basiert. Oder man verwendet eine im Internet verfügbare Software (siehe https://halfmonty.github.io/StringArtGenerator/), die aus einem beliebigen Bild eine Abfolge errechnet, wie man einen Faden spannen muss, um die dieses Bild zu erhalten. Im Seminar diskutierten wir auch, wie der Algorithmus hinter dieser Software funktioniert.
Der letzte Teil des Seminars stand ganz im Zeichen des Ausprobierens der erlernten Techniken mit Grundschüler*innen von nebenan. Im Rahmen der Nachmittagsbetreuung statteten uns Schüler*innen Besuche ab und stellten selbst ihre eigenen textilen Kunstwerke her, die jetzt in den Fluren der Reinhold-Schneider-Schule zu bewundern sind.
Foto: Reinhold Schneider Schule
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