Ziele

Ziel des Projektes MaSDiV (2017 – 2020) ist es, Lehrerinnen und Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften darin zu unterstützen, mit kultureller, sozialer und leistungsbedingter Heterogenität im Klassenzimmer umzugehen und bei den SchülerInnen – bezogen Mathematik und Naturwissenschaften – Einsicht in fundamentaler Grundwerte unserer Gesellschaft zu fördern.

Im Mittelpunkt steht die Erweiterung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts um eine soziale Dimension: LehrerInnen sollen darin unterstützt werden, mit den steigenden sozialen, kulturellen und leistungsabhängigen Unterschieden im Klassenzimmer umzugehen und eine integrative Bildung für alle Lernenden anzubieten. Interkulturelles Lernen sowie Einsicht in fundamentale Grundwerte unserer Gesellschaft tragen zur Entwicklung der SchülerInnen als mündige Bürger bei.

Um dieses Ziel zu erreichen wird eine innovative Fortbildungskonzeption für Lehrende der Sekundarstufe I entwickelt, implementiert, evaluiert und anschließend in weitere Länder verbreitet. Dazu arbeiten in MaSDiV in sechs Ländern jeweils eine Hochschule sowie ein für Bildung verantwortliches Ministerium zusammen. Die Evaluation wird vom renommierten IPN der Universität Kiel durchgeführt.

 

Hintergrund

Die Naturwissenschaften gehören zu den acht Schlüsselkompetenzen, die im EU Rahmenprogramm für Schlüsselkompetenzen (EC 2007) benannt wurden. Trotzdem bleiben 17% der 15-jährigen hinter ihren Möglichkeiten in Naturwissenschaften zurück. In Mathematik trifft dies sogar auf 22% zu. Bei SchülerInnen aus einem bildungsfernen Umfeld sind es sogar 36,6% (ET 2020). Darüber hinaus zeigen nur wenige SchülerInnen Interesse an Berufen im MINT-Bereich.

Eine Herausforderung ist in diesem Zusammenhang die gängige Praxis, im Unterricht den Fokus auf das ‚Lernen der Naturwissenschaften‘ ohne ein ‚Lernen über Naturwissenschaften‘ zu setzen (Hazelkorn u.a. 2015). Dies führt zu einer isolierten Naturwissenschaft, losgelöst von gesellschaftlichen Folgen.

Veränderungen in der Gesellschaft, die wachsende Zahl an Migranten sowie Veränderungen in den Bedürfnissen der SchülerInnen und die zunehmende Technologisierung führen zur Notwendigkeit ein einer MINT-Bildung, bei der alle SchülerInnen unabhängig von ihrem Können und ihrem sozialen Hintergrund ihr Potenzial voll ausschöpfen können.

Ziel unserer Bildung muss es also sein, unsere SchülerInnen zu mündigen Bürgern zu erziehen, die aktiv an unserer Gesellschaft teilnehmen. Durch Anwendungen und Forschendes Lernen in den MINT-Fächern kann das Interesse an ihnen und damit auch die Leistung der SchülerInnen gesteigert werden. Durch Anwendungen werden die Inhalte darüber hinaus konkreter. Darüber hinaus gehört zu einem Leben als mündiger Bürger auch, zu verstehen, wie Entscheidungen basierend auf Mathematik und den Naturwissenschaften getroffen werden und sie kritisch zu reflektieren. Um dies zu können, benötigen die SchülerInnen ein vollständiges Bild von Mathematik und den Naturwissenschaften, das deren soziale, kulturelle, moralische und ethische Komponenten umfasst (wie sie etwa in die Frage, ob eine Impfung gegen Masern verpflichtend sein sollte, einfließen). Daher sollte der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht auch dazu genutzt werden um kulturelles Bewusstsein, kritisches Denken, das Entwickeln von Strategien zur Entscheidungsfindung und soziale sowie gesellschaftliche Kompetenzen zu fördern.

Im Gegensatz zum ‚Lernen der Naturwissenschaften‘ sollte der Fokus also auf ‚Lernen der und über Naturwissenschaften‘ gesetzt werden. Letzteres fördert sowohl das Verständnis junger Menschen von der Natur von Mathematik und Naturwissenschaften, als auch von der Anwendung dieser Fächer und den resultierenden Konsequenzen. Auf diese Weise lernen die SchülerInnen wesentliche Prinzipien und Kompetenzen einer demokratischen, vielfältigen und vermehrt multikulturellen europäischen Gesellschaft kennen. In diesem Sinn bedeutet mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung auch die Ausbildung zu mündigen Bürgern.

 

Aktivitäten

2017
Entwicklung der Fortbildungsmaterialien sowie der Evaluationsinstrumente

2018
Durchführung der Fortbildung in den sechs Partnerländern sowie Datenerhebung

2019
Auswertung der Daten und Bewerbung der Materialien

 

Evaluation

Die Implementierung der Fortbildung in den sechs Partnerländern wird sowohl qualitativ als auch quantitativ evaluiert.

Wir werden auf Seite der Lehrenden Effekte bezogen auf folgende Aspekte erheben: ihre Vorstellungen und Haltungen, ihre Selbstwirksamkeit und ihr Wissen bezüglich forschendem Lernen als einem integrativer Unterrichtsansatz für alle Lernenden, der auch interkulturelles Lernen sowie die Vermittlung gesellschaftlicher Grundwerte erlaubt. Darüber hinaus möchten wir Einblick darin erhalten, inwieweit die Lehrenden diesen  Unterrichtsansatz in ihrem Unterricht einsetzen und welchen Herausforderungen sie gegenüber stehen.

Dazu führen wir eine Prä-Post-Fragebogenstudie mit den Lehrenden durch. Der Fragebogen wird weitgehend quantitative Items enthalten. Um Einblick in den Unterricht zu bekommen, werden wir in Fallstudien Unterrichtsentwürfe, Unterrichtsbeobachtungen, Interviews sowie Schülerfragebögen auswerten.

Um die Ergebnisse aus sechs Ländern auswerten zu können, werden wir Daten zur genauen Fortbildungsdurchführung sowie zu länderspezifischen Rahmenbedingungen erheben. Darüber hinaus werden wir in allen sechs Ländern die gleichen standardisierten Fragebögen, Unterrichtsbeobachtungsbögen sowie Interviewleitfäden verwenden.

 

Konsortium/Partner

In dem Projekt MaSDiV arbeiten sechs Länder (Deutschland, Malta, die Niederlande, Spanien, Türkei, Zypern) als Projektpartner zusammen. In jedem Land arbeiten jeweils eine Hochschule sowie ein für Bildung verantwortliches Ministerium zusammen. Dadurch können qualitativ hochwertige  Fortbildungsmaterialien passend  zu den jeweiligen Bildungsplänen entwickelt werden. Darüber hinaus ist so auch sichergestellt, dass eine große Anzahl von LehrerInnen durch die Fortbildungen erreicht wird.

Neben diesen 12 Partnern umfasst das Konsortium noch einen renommierte Partner (das IPN der Universität Kiel), der für die Evaluation des Projektes verantwortlich ist.

Projektkoordinator ist das International Centre for STEM Education an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

Das Konsortium umfasst folgende Partner:

  • International Centre for STEM Education (ICSE), Pädagogische Hochschule Freiburg, Deutschland (Projektkoordinator)
  • Bildungsministerium, Jugend und Sport Baden-Württemberg, Deutschland
  • Universität Nikosia, Zypern
  • Ministerium für Bildung und Kultur, Zypern
  • Universität Jaen, Spanien
  • Ministerium für Bildung, Kultur & Sport, Spanien
  • Universität Malta, Malta
  • Ministerium für Bildung und Arbeit, Malta
  • Utrecht Universität, Niederlande
  • Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Niederlande
  • Hacettepe-Universität, Türkei
  • Ministerium für Nationale Bildung, Türkei
  • IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, Kiel, Germany (Evaluationsinstitution).

Über ein Beratungspanel sind fünf weitere Universität-Ministerium-Tandems sowie weitere Experten der europäischen MINT Bildung mit dem Projekt verbunden.  Diese werden das Projekt in der Entwicklung des Fortbildungskonzeptes sowie in seiner anschließenden Verbreitung unterstützen.

  • Universität Vilnius, Litauen
  • Education Development Centre (UPC), entwickelt und gesteuert vom Bildungs- und Wissenschaftsministerium der Republik Litauens
  • Technisch-Naturwissenschaftliche Universität, Norwegen
  • Ministerium für Bildung und Forschung, Norwegen
  • Universität Innsbruck, Österreich
  • Bundesministerium für Bildung, Österrreich
  • Universität Hradec Králové, Tschechische Republik
  • Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, Tschechische Republik
  • Agueda Gras-Velazquez, European Schoolnet, Belgien
  • Dr. Manuela Welzel-Breuer, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Deutschland
  • Ruta Mazgelyte, Education Development Centre, Litauen
  • Dr. Michele Artigue, Universität Paris-Diderot, Frankreich

 

Kennzahlen

Programm: Erasmus+ Key Action 3, Initiatives for policy innovation – European policy experimentations in the fields of Education, Training and Youth led by high-level public authorities (Call: EACEA/34/2015),  Priorität ‘Promoting fundamental values through Education and Training addressing diversity in the learning environment’

Dauer: 36 Monate (Februar 2017 – Februar 2020)

Fördervolumen: 2 Mio EUR

Vertragsnummer: 2016 – 2927 / 003 – 001

Projektnummer: 582943-EPP-1-2016-2-DE-EPPKA3-PI-POLICY

 

Bezogen auf das Thema des Projektes MaSDiV werden hier Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt, die die MINT-Fächer mit interkulturellem Lernen und gesellschaftlichen Grundwerten verknüpfen.

Kern der Fortbildungskonzeption ist der in Mathematik und den Naturwissenschaften bewährte Unterrichtsansatz des forschenden Lernens. Die Forschung zeigt, dass bei diesem offenen Unterrichtsansatz alle SchülerInnen auf ihrem Niveau arbeiten können und auf diese Weise auch leistungsschwache SchülerInnen – insbesondere auch SchülerInnen aus Migrationsfamilien oder aus ungünstigen sozio-ökonomischen Verhältnissen – optimal gefördert werden.

Dieser bewährte Unterrichtsansatz wird im Rahmen unserer Fortbildung um zwei wesentliche Aspekte erweitert:
(1) Forschendes Lernen in realistischen Kontexten, insbesondere in solchen, die auch ethisch-moralische Fragen involvieren, ermöglicht den SchülerInnen zu sehen, wie in unserer Gesellschaft Entscheidungen basierend auf Mathematik und den Naturwissenschaften getroffen werden und diese kritisch zu reflektieren.
(2) Forschendes Lernen, das kulturelle Unterschiede im Umgang mit Mathematik und den Naturwissenschaften berücksichtigt, fördert SchülerInnen mit Migrationshintergrund und ermöglicht interkulturelles Lernen für alle SchülerInnen.

Ziele der Fortbildung

  • Das Vertrauen in forschendes Lernen als Schlüssel um Heterogenität zu begegnen zu stärken; die Bedeutung im Mathematik- und naturwissenschaftlichen Unterricht Grundwerte zu vermitteln und kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen.
  • Die ethischen und kulturellen Dimensionen von Mathematik und Naturwissenschaften aufzuzeigen, um damit gesellschaftliche Grundwerte zu vermitteln.
  • Das Wissen und Verständnis der Hauptprobleme im Umgang mit multikulturellen Klassen im mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht zu erweitern.
  • Kompetenzen erwerben , um das theoretisch erworbene Wissen praktisch im Unterricht anwenden zu können.
  • Die Reflexionsfähigkeit der Lehrer bzgl. Ihrem Unterricht im Hinblick auf inklusive mathematische und naturwissenschaftliche Bildung zu schulen.

Die Fortbildung im Rahmen von MaSDiV ist in drei Module gegliedert.

Mehr Informationen

Im Folgenden können Sie mehr Informationen zur Fortbildung herunterladen. Die folgenden Dokumente stehen aktuell nur auf Englisch zur Verfügung. Die deutschen Dokumente erscheinen in Kürze.

Struktur der Fortbildungsreihe

Die Fortbildungsreihe besteht aus drei Modulen, die miteinander verbunden sind. Die Reihenfolge der Module ist fest vorgegeben, so dass die Aktivitäten am nächsten Fortbildungstag wieder aufgegriffen werden können und die TeilnehmerInnen immer auf ihre bisher geleistete Arbeit zurückgreifen können.

Das erste Modul beinhaltet forschendes Lernen als ein Zugang, um leistungsbezogener Heterogenität zu begegnen.

Aufbauend auf dieser exemplarischen Unterrichtseinheit wird in Modul 2 der Nutzen von realistischen Kontexten für andere Aspekte von Heterogenität wie kultureller Heterogenität und dem Erwerb von gesellschaftlichen Grundwerten diskutiert. Im letzten Modul liegt der Fokus auf Herangehensweisen und Werkzeuge für interkulturelles Unterrichten und Lernen in kulturell heterogenen Klassen.

Für jedes Modul gibt es für die FortbilderInnen eine Handreichung. Es beinhaltet die einzelnen Ziele, eine Beschreibung der Aktivitäten und Hausaufgaben sowie eine Liste mit Quellen. Die Präsentationen (PPT) und Arbeitsblätter für die TeilnehmerInnen werden separat zur Verfügung gestellt. Wir schlagen für jede Aktivität eine Methode vor, aber selbstverständlich kann diese beliebig gewählt werden. Es ist wichtig, dass sich das kooperative Lernen in den Aktivitäten widerspiegelt.

 

Modul 1 – Offene Aufgaben

Offene Aufgaben als Zugang, um  leistungsbezogener Heterogenität zu begegnen

Die TeilnehmerInnen sollen

  • die Kompetenz erwerben, auf heterogene Schülergruppen in naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern einzugehen.
  • die Kompetenzen erwerben, Unterricht zu planen, der die leistungsbezogene Vielfalt im Unterricht berücksichtigt
  • Kompetenzen erwerben, Aufgaben aus Schulbüchern so umzuarbeiten, dass diese zum Forschenden Lernen geeignet sind und alle SchülerInnen auf ihrem Leistungsniveau unterstützen.
Modulbeschreibung herunterladen Handout herunterladen PPP herunterladen

Modul 2 – Kontext

Die TeilnehmerInnen sollen

  • die Relevanz von Realitätsbezügen in den Naturwissenschaften und der Mathematik erkennen
  • relevante Realitätsbezüge für Forschendes Lernen im täglichen Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht finden und verwenden
  • die SchülerInnen befähigen, Naturwissenschaften und Mathematik in realen Situationen anzuwenden
  • verstehen, wie relevante Realitätsbezüge (z. B. Gentechnik, Klimawandel, Ölbohrungen) und die auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Argumentation das Verständnis von Grundwerten unserer Gesellschaften bei den SchülerInnen fördern können
  • verstehen, wie die Anwendung von ausgewählten Realitätsbezügen interkulturelles Lernen unterstützen können
  • den SchülerInnen erläutern, dass wissenschaftliche Entscheidungen auf der Grundlage von Naturwissenschaften und Mathematik auch von moralischen, ethischen und sozialen Aspekten beeinflusst werden.
Modulbeschreibung herunterladen PPP herunterladen

Modul 3 – Multikulturelles Lernen

Die TeilnehrInnen sollen

  • ihr Wissen und Verständnis für kulturelle Unterschiede und soziale Inklusion in naturwissenschaftlicher und mathematischer Bildung vertiefen
  • ihr Wissen und Verständnis über Herausforderungen im Umgang mit multikulturellen Klassen im mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht erweitern
  • lernen, kulturelle Unterschiede als Chance für inklusiven MINT-Unterricht zu nutzen
  • ihre eigenen Wertvorstellungen und Werte bzgl. kultureller Heterogenität zu überdenken
  • lernen wie man mit Forschendem Lernen die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der SchülerInnen nutzen kann, um die interkulturellen Kompetenzen der SchülerInnen zu fördern,
  • lernen, realistische relevante Kontexte, die aus verschiedenen Kulturen stammen, für interkulturelles Lernen zu verwenden.
Modulbeschreibung herunterladen PPP herunterladen

Fortbildungskonzept



   Fortbildungskonzept | 464 KB | Download



Modul 1



Die Module werden hier nach der Pilotierungsphase auch in deutscher Sprache zur Verfügung gestellt.


  Outline Modul 1 | 1.16 MB | Download


  Handout Modul 1 | 243.74 KB | Download


  PPP Modul 1 | 867.58 KB | Download



Modul 2



Die Module werden hier nach der Pilotierungsphase auch in deutscher Sprache zur Verfügung gestellt.


  Outline Modul 2 | 559.84 KB | Download


  PPP Modul 2 | 608.40 KB | Download



Modul 3



Die Module werden hier nach der Pilotierungsphase auch in deutscher Sprache zur Verfügung gestellt.


  Outline Modul 3 | 1.44 MB | Download


  PPP Modul 3 | 582.20 KB | Download



Evaluationsinstrumente



   Evaluationsinstrumente | 3 MB | Download



Mit Abschluss der Fallstudien im Februar 2019 wird hier ebenfalls das Dokument „Datenerhebungsinstrumente für die Fallstudien“ zur Verfügung stehen.
Projektabschlussberichte werden ab Februar 2020 zur Verfügung stehen.