Erster gemeinsamer Fortbildungstag europäischer Projekte an der PH Freiburg
Anna Blattmann, Katja Maaß und Laura Wanckel
Wie können Lehrkräfte Kinder und Jugendliche auf die Herausforderungen einer zunehmend komplexen Welt vorbereiten? Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Diversität, Mehrsprachigkeit oder künstliche Intelligenz in der Bildung? Und wie können wissenschaftliche Erkenntnisse so in Schule und Unterricht gelangen, dass sie dort tatsächlich Wirkung entfalten?
Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigen sich zahlreiche europäische Bildungsprojekte an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Am 11. Juni 2026 wurden diese Aktivitäten erstmals in einem gemeinsamen Fortbildungstag gebündelt. Unter dem Titel „Ideen für die Bildung von morgen – Europäische Projekte zu Nachhaltigkeit, Digitalisierung und innovativer Bildung“ kamen Lehrkräfte, Studierende, Hochschulangehörige, Schulleitungen sowie Projektmitarbeitende zusammen, um Einblicke in die europäische Projektarbeit der PH Freiburg zu erhalten, neue Unterrichtsideen kennenzulernen und sich projektübergreifend auszutauschen.
Foto: Alexander Black, Teacher and Coach at Inter-Community School of Zurich und Laura Wanckel, Vizedirektorin des International Centre for STEAM Education Freiburg
Im Mittelpunkt standen dabei nicht einzelne Projekte, sondern eine gemeinsame Frage: Wie kann Bildung junge Menschen dazu befähigen, Zukunft aktiv, kritisch und verantwortungsvoll mitzugestalten?
Ein gemeinsames Format für europäische Projektarbeit
An der Pädagogischen Hochschule Freiburg werden zahlreiche europäische Projekte durchgeführt. Sie entwickeln innovative Ansätze für Schule, Lehrkräftebildung und Bildungsforschung und beschäftigen sich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Inklusion, Mehrsprachigkeit oder Demokratiebildung. Gleichzeitig arbeiten diese Projekte häufig in unterschiedlichen Fachbereichen und mit unterschiedlichen Zielgruppen. Möglichkeiten, sich projektübergreifend auszutauschen oder die eigene Arbeit hochschulweit sichtbar zu machen, gibt es dagegen nur selten.
Die Veranstaltungsidee setzte genau hier an. Ziel war es, die europäische Projektarbeit der PH Freiburg erstmals in einem gemeinsamen Format sichtbar zu machen und den Austausch zwischen den Projekten ebenso zu fördern wie den Dialog mit Lehrkräften, Studierenden und weiteren Bildungsakteurinnen und -akteuren.
Foto: Impulsvorträge der einzelnen Projekte
Forschung trifft Praxis
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Rektor Prof. Dr. Hans-Georg Kotthoff und Prof. Dr. Katja Maaß, Direktorin des International Centre for STEM Education (ICSE). Beide hoben hervor, dass der Fortbildungstag nicht nur Einblicke in die europäische Projektarbeit der PH Freiburg ermöglicht, sondern zugleich den projektübergreifenden Austausch stärkt und die vielfältigen europäischen Aktivitäten der Hochschule zusammenführt.
Den inhaltlichen Auftakt bildete der Vortrag „Alles ist Wechselwirkung – Holistische Perspektiven für eine nachhaltige Teilhabe am System Erde“ von Prof. Gregor C. Falk. Anhand des Beispiels Bangladesch verdeutlichte er, wie Klimawandel, wirtschaftliche Entwicklung, Ressourcennutzung und soziale Lebensbedingungen eng miteinander verflochten sind. Dabei plädierte er dafür, den Begriff der nachhaltigen Entwicklung, um die Perspektive einer nachhaltigen Teilhabe zu erweitern. Nachhaltigkeit, so die zentrale Botschaft des Vortrags, bedeutet nicht nur den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen, sondern auch die Frage, wie Menschen an gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Prozessen teilhaben und diese mitgestalten können. Damit griff der Vortrag einen Gedanken auf, der sich auch in den unterschiedlichen Projekten des Fortbildungstags wiederfand: Zukunftsfragen lassen sich nur verstehen und gestalten, wenn ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Zusammenhänge gemeinsam betrachtet werden. Diese Perspektive spiegelte sich auch in den anschließenden Projektbeiträgen und Workshops wider, die unterschiedliche fachliche Zugänge zu gemeinsamen gesellschaftlichen Herausforderungen aufzeigten.
Im Anschluss präsentierten die beteiligten Projekte ihre Arbeit in kurzen Impulsvorträgen. Ergänzt wurden diese durch einen Erkundungsrundgang im PH-Garten, bei dem digitale Werkzeuge und Unterrichtsmaterialien zur Umweltbildung vorgestellt wurden. Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden die vorgestellten Themen in Workshops vertiefen und zahlreiche Ansätze selbst erproben. Dabei standen weniger theoretische Vorträge als vielmehr konkrete Unterrichtsideen, erprobte Materialien und direkt in Schule und Lehrkräftebildung einsetzbare Konzepte im Mittelpunkt.
Bild: Garten der pädagogischen Hochschule
Ein Impuls für die internationale Projektkultur der PH Freiburg
Initiiert wurde die Veranstaltung vom International Centre for STEM Education (ICSE). Ausgangspunkt war das Erasmus+-Projekt NBS4School – Empowering Students to Act for Climate through Nature-Based Solutions. Das Projekt sieht vor, die entwickelten Ansätze über nationale Fortbildungsveranstaltungen in die Bildungslandschaft zu tragen. ICSE nutzte diesen Rahmen bewusst, um daraus einen hochschulweiten Fortbildungstag zu entwickeln, der die Ergebnisse weiterer europäischer Projekte in einem gemeinsamen Format zusammenbrachte und den Austausch über Projekt-, Fach- und Institutionsgrenzen hinweg förderte.
Folgende Projekte der PH Freiburg haben an dem Fortbildungstag teilgenommen und ihn mitgestaltet:
- TexUnite – Service Learning on Sustainability in Textile and Fashion Education
- IDE – Interpreter Mediated Deaf Education Project
- ED-TED – Equity and Diversity in Teacher Educator Professional Development
- CLIMS – Content and Language Integrated Learning in Multilingual Settings – Professionalisation in Teacher Education
- INVITED – Integrating Primary and Pre-school Virtual Exchange Projects into Language Teacher Education
- EUTEG – Teaching the European Green Deal through Role Plays
- DataPro
- Forschung trifft Praxis
Viele Gespräche machten deutlich, dass ähnliche Fragestellungen häufig aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven bearbeitet werden. Der Fortbildungstag schuf erstmals einen gemeinsamen Rahmen, in dem unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt wurden und neue Ideen für zukünftige Kooperationen entstehen konnten.
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen insgesamt sehr positiv aus. Besonders geschätzt wurden die Möglichkeit, andere europäische Projekte der PH Freiburg kennenzulernen, die große thematische Bandbreite sowie die Verbindung wissenschaftlicher Impulse mit praxisnahen Workshops.
Insgesamt zeigte sich, dass europäische Projekte weit mehr sind als einzelne Forschungsvorhaben. Gemeinsam tragen sie dazu bei, aktuelle Herausforderungen der Bildung aus unterschiedlichen Perspektiven zu bearbeiten und wissenschaftliche Erkenntnisse in Schule und Lehrkräftebildung zu übertragen.
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und freuen uns schon auf die nächste Austauschmöglichkeit!