Kurz berichtet

Online Escape Rooms

Digitalisierung vorhandener Konzepte in der Lehre

Katharina Flößer, Oliver Straser, Katja Maaß

ICSE, das International Centre for STEM Education (internationales Zentrum für MINT-Bildung – Bildung in Mathematik und den Naturwissenschaften) an der Pädagogischen Hochschule ist ein international vernetztes Zentrummit dem Ziel, zu einer positiven Entwicklung des MINT-Unterrichts in Europa beizutragen. Dazu sollen allen Schüler*innen authentische Einblicke in die MINT-Fächer und ihre Realitätsbezüge erhalten, ihnen eine mathematisch-naturwissenschaftliche Grundbildung vermittelt werden, ihr Interesse an Berufen im MINT-Bereich soll gefördert und so auch das Leistungsniveau der Schüler*innen in den MINT-Fächern gesteigert werden.

Mit Aktionen wie einem Schüler*innenlabor mit Escape Room und durch spannende Aufgaben wie dem „Problem des Quartals“ ist ICSE mit Schulklassen in Kontakt und begeisterte im letzten Jahr beispielsweise auch auf den Science Days mit fesselnden Knobeleien und verblüffenden optischen Illusionen.

Weil das Schüler*innenlabor auf Grund der aktuellen Situation leider geschlossen ist und der Escape Room nicht besucht werden kann, wurde ein innovativer digitaler Escape Room für Schüler*innen ab Klasse 6 entwickelt. Dieser setzt sich aus einem Streifzug durch mathematische und naturwissenschaftliche Themen sowie Knobeleien zusammen. Darüber hinaus werden vom ICSE Workshops angeboten, bei denen Lehrer*innen lernen können, wie sie digitale Escape Rooms mit aktuellen Unterrichtsthemen für ihre Schüler*innen erstellen können.

Foto: Pixabay

Foto: ICSE

Erfolge der Escape Rooms

„Mit einem lauten Knall fällt die Tür hinter dir ins Schloss und du weißt sofort: Du bist eingeschlossen! Nachdem du dich kurz orientiert hast, stellst du fest, dass sich auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes eine weitere Tür befindet. Die ist zwar ebenfalls verschlossen, aber vielleicht lässt sie sich durch die Eingabe der richtigen Kombination auf der Schalttafel neben der Tür öffnen? Doch wie kannst du diese Kombination herausfinden? Schaffst du es, dich rechtzeitig zu befreien?“

Ein paar Sätze – mehr ist nicht nötig, wir sind sofort gebannt! Rätseln und Knobeln liegt uns im Blut. Wer stoppte nicht früher auf der Rätselseite in der Zeitung? Erzählt uns ein Freund von einer Knobelei die er als „super schwierig“ einstuft, ertappen wir uns dabei, wie uns der Ehrgeiz packt. Wir wollen unbedingt auf die Lösung kommen und „schlauer sein“ als andere. Dieser Wettbewerbsgedanke zusammen mit der Tatsache, dass Rätsel vielen unglaublichen Spaß machen, sorgt für den großen Erfolg der Escape Rooms.

Bei einem Escape Room hat man als Team sechzig Minuten Zeit, durch das Lösen von Rätseln aus einem Raum zu entkommen. Längst findet dieses Konzept, wohl wegen der durchschlagend motivierenden Wirkung, auch im Klassenraum oder Vorlesungssaal als „Educational Escape Rooms“ Anwendung. Dabei werden die Rätsel und Aufgaben auf die Unterrichtsinhalte abgestimmt und sorgen ganz nebenbei für einen Lerneffekt bei den Rätselnden.

In Zeiten von Corona und Lehren aus dem Home-Office ist allerdings die Digitalisierung vorhandener Konzepte und Methoden schwer gefordert. Was vorher vorsichtige Überlegungen in einer immer digitaler werdenden Welt waren, war plötzlich ein „Muss“. Lehrende sind gezwungen, sich der Digitalisierung des Unterrichts zu stellen und werden somit auch unweigerlich mit der Frage konfrontiert: Wie motiviere und begeistere ich meine Schüler*innen oder Studierenden, wenn über Zoom viel der Ausstrahlung und des „Mitreißenden“ von uns als Lehrperson verloren geht? Wie schaffe ich es, hinter ausgeschalteten Kameras und stumm geschalteten Mikrophonen, Lernende zu fesseln?

Viele in Präsenz-Lehre gut funktionierende Konzepte lassen sich digital nicht oder nur schwer realisieren oder verlieren an Wirkung. Andere Konzepte müssen überarbeitet und umgedacht werden – so auch das Konzept der Escape Rooms. Eine digitale Umsetzung bietet viele Möglichkeiten, allerdings auch einige Schwierigkeiten, insbesondere ganz praktisch im Bereich der digitalen Realisierung.

Ein digitaler Escape Room, einmal umgesetzt, benötigt keine aufwändige Betreuung, hat dafür aber eine große, zumindest nationale Reichweite. Bestehende Rätsel können ausgetauscht und das Rätselkonstrukt problemlos erweitert werden.

Schwierigkeiten bestehen insbesondere in der praktischen Umsetzung der Rätsel. Möglich sind hier ganz unterschiedliche Niveaus, von einer einfachen Website mit zum Download bereitgestellten Arbeitsblättern, auf denen die einzelnen Rätsel vorgestellt und erklärt werden, bis hin zu einem 3D-animierten Raum, durch den man sich beim Rätseln virtuell bewegt. Für motivierte Design-Einsteiger*innen von digitalen Escape Rooms erweist sich Geogebra als machtvolle Plattform. Hier ist es möglich, durch das Anlegen eines virtuellen „Buches“, mehrere Rätsel in Kapiteln zu realisieren und einzubinden.

 

Ein Beispiel eines solchen, mit Geogebra umgesetzen Escape Rooms kann auf der Seite des International Centre for STEM Education (ICSE) unter www.icse.ph-freiburg.de/escaperoomdigital ausprobiert werden.